Angespielt – Until Dawn

von | 22. September 2015 | 0 Kommentare

Monate lang machte Sony Werbung für den Horror-Titel „Until Dawn, welcher eher als interaktiver Film zu verstehen ist. Zwischendurch mal hier und da ein Knöpfchen drücken dürfen fand ich schon bei „Heavy Rain“ mehr als langweilig. Dabei bin ich durchaus ein Fan von interaktiven Filmen und habe schon damals Titel wie „Silent Steel“ gerne „gespielt“. Einfach weil sie sich nicht als Spiel präsentiert haben, sondern direkt zugegeben haben ein interaktiver Film (und nicht mehr) zu sein.

Film oder Spiel?

untildawnDie Frage ist also: Was kann das „Spiel“, welches manche Medien als „Meisterwerk“ bezeichnen? Until Dawn hat seine Qualitäten – ohne Frage – jedoch fallen einem in manchen Bereichen auch deutliche Mängel auf. Die Grafik ist wirklich sehr gut, die Steuerung jedoch eher mittelmäßig. Die Kamera in den Bewegungsmomenten ist teilweise nicht gut gelöst. Besonders bei langen Wegen macht sich dies bemerkbar. Und von langen Wegen gibt es leider auch ein paar Passagen, in denen man richtig merkt, wie die Entwickler das Spiel zu versuchen künstlich in die länge zu strecken. So müssen wir mit einem Mädel gleich am Anfang zu einer Waldhütte laufen, die gefühlt direkt in einer anderen Stadt liegt. Hier wird die Spannung, die vielleicht am Anfang des Weges noch vorhanden ist, mit zunehmender Zeit tot gelaufen.

Und auch das große Versprechen hinsichtlich der Tragweite der getroffenen Entscheidungen, wurde nicht eingehalten. Egal wie man sich entscheidet, letztendlich gibt es einen grundlegenden Handlungsstrang. Die Entscheidungen verändern nur Kleinigkeiten. Die Story an sich ändert sich nicht. Zudem basieren die Entscheidungen meist auf zwei Wahlmöglichkeiten. Und nicht selten gibt es Situationen wo man nicht wählen möchte. Wartet man zu lange, wählt das Spiel für einen. Aber so an sich sind die Entscheidungen einfach gehalten. Es ist schwer das zu beschreiben ohne spoilern zu müssen. Das Entscheiden ist lediglich Unterhaltung, ohne tiefere Bedeutung. Telltale Games lässt also grüßen!

Story eher mau

Auch die Geschichte selbst ist relativ einfach und zudem ziemlich kurz. Das Spiel strotzt mit Verweisen auf Filmen und ist gefüllt mit Klischees. Es zeigt die Ideenlosigkeit der Entwickler. Dass ein solches Spiel derartig hochgelobt wird, kann ich leider überhaupt nicht verstehen. Und auch das Gameplay ist ganz simpel und lässt im Grunde keinen Freiraum. Die Wege sind strikt vorgegeben und auch die Handlungsmöglichkeiten in Räumen sind vorgegeben, damit die Story auch ja so weiter geht, wie sie weiter gehen soll. Die damit verbundene Spielzeit ist natürlich daher nicht lang. Zieht man die gestreckten Momente ab, bleibt da nicht mehr viel übrig.

Kommen wir zu meinem Lieblingsthema: der Synchronisation. Diese ist miserabel und ein großer Minuspunkt. In einem Spiel, bei dem die Atmosphäre im Vordergrund steht, ist das jedoch sehr wichtig! Die Sprecher sind teilweise nicht gut gewählt. Hier bin ich einfach besseres gewohnt. Dies liegt aber auch teilweise an den wirklich trashigen B-Movie-Dialogen, welche sicher Absicht sind, aber in Deutsch natürlich noch etwas dümmer klingen.

Problematisch ist auch die Lippen-Synchronität. Diese ist leider auch nicht ganz fehlerfrei. Fairerweise muss man an dieses Stelle jedoch anmerken, dass auch der originale Ton hier seine Probleme haben soll. Es liegt also nicht nur an der deutschen Version. Aber auch bei der Abmischung scheint etwas schief gelaufen zu sein. So sind manche Sprecher nicht richtig zu verstehen. Es klingt fast, als hätte man den Ton im Kino, mit einem Mikrofon aufgenommen.

Fazit

Das „Spiel“ Until Dawn hat mich sehr enttäuscht. Es ist viel zu kurz und die Änderungen, die Sony so groß angekündigt hat, ändern den Verlauf der Geschichte nicht wirklich. Wirklich alles ist vorgegeben und die Quicktime-Events langweilen irgendwann. Auch die Animationen der Figuren ist nicht gelungen. Die Figuren bewegen sich steif und unnatürlich.

Akustisch macht die deutsche Synchro die ganze Atmosphäre kaputt. Schlimmer ist allerdings die Kameraperspektive, die öfter die Figur aus der Linse verliert.

Für mich eine weitere Enttäuschung nach The Order: 1886 aus dem Hause Sony. Vielleicht sollte der Konsolenhersteller, mit seinen Versprechen, in Zukunft lieber kleinere Brötchen backen.  Schade, dass so viele Spieler auf derartige Mogelpackungen hereinfallen und dem Spiel damit einen unverdienten Erfolg bescheren. Im Endeffekt wird das Ganze dann wohl auf einen zweiten Teil hinaus laufen. Bitte nicht, Sony!

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Gastautor

Jochen Kolbe

Jochen ist seit seiner Kindheit leidenschaftlicher Computer- und Videospieler. Mit seinen 35 Jahren gehört er dabei aber noch nicht zum alten Eisen. Zudem bloggt er auf ndevil.com über Spiele und Produkte aus allen Sparten.