Ghost Recon Wildlands im Test

Fluch und Segen!

30. März 2017

Das ist zwar fies, aber ich fange gleich mal mit den „schlechten“ Dingen an und arbeite mich so durch bzw. schreibe das auf, was mir zum Spiel Ghost Recon Wildlands in den Sinn kommt.

Ich spiele solo, die Hauptstory inklusive Sub-Neben-Missionen. Dies alles auf der normalen PS4 (ohne PRO). Danach werde ich mich eventuell mal online mit anderen im virtuellen Bolivien tummeln.

Denn die KI-Teammitglieder der Solo-Kampagne sind wirklich nicht die hellsten unter Boliviens Sonne. In der Regel mache ich daher mittlerweile die meisten Sachen alleine und lasse die Jungs Position halten. Oft genug ist es nach minutenlanger Erkundung und Ausspähung – mit gut gelungenen Features wie Drohne und Fernglas – dazu gekommen, dass einer der Trollnasen ins feindliche Lager spaziert und natürlich entdeckt wird. Oder gar von selbst das Feuer eröffnet und somit die ganze Arbeit umsonst gewesen ist.

Grafik

Lobenswert sind die Details wie wiegendes Gras, Blütenpollen und Blätter in der Luft im Windhauch.

Mal ganz davon abgesehen, dass dann eine Menge Spielzeit, ergo Echtzeit und Realzeit verpufft ist, weil man die Mission von vorne anfangen muss. Also lieber alleine an die Sache rangehen und die Jungs bei Bedarf zum Simultanschuss nutzen.

Die Gegner KI ist auch eher so zwischen dumm und taub angesiedelt. Es gibt nur wenige Momente wo, es einem wirklich Angst und Bange wird, wenn man gejagt und gesucht wird. Verstecke ich mich aber in einem Busch, laufen gerne mal 10-15 Santa-Blanca oder Unidat-Leute genau durch diesen Busch, stehen davor, fuchteln mit ihren Waffen herum, aber keiner von denen bemerkt mich. Selbst dann nicht, wenn ich mit meiner Waffen und Schalldämpfer alle aus eine Entfernung von weniger als einem Meter seelenruhig eliminiere.

“Die KI-Teammitglieder der Solo-Kampagne sind wirklich nicht die hellsten unter Boliviens Sonne. In der Regel mache ich daher mittlerweile die meisten Sachen alleine und lasse die Jungs Position halten.”

Natürlich geht es bei Bedarf auch mit der Brechstange. Mit dem Helikopter von oben alles abräumen oder mit einem Panzerwagen samt Bordkanone, alles niedermähen was bei 3 nicht Schutz gesucht hat.

Ich mag aber den Erkundungs- und Schleich-Aspekt und ertappe mich dabei, wie ich mehr und mehr zum Pro-Sniper werde.

Was mich persönlich echt nervt, ist die Tatsache, dass es keine Ego-Perspektive gibt. Immer auf meinen Protagonisten von hinten schauen ist doof. Und manchmal auch wirklich hinderlich. Nebenbei könnte man die manchmal wirklich hübsche Landschaft besser genießen.

Arcade-lastiges Fahrsystem

Dennoch ist das Fortbewegen mit den Fahrzeugen zweckmäßig und recht solide umgesetzt.

Das Fahren mit den Fahrzeugen ist für mich – nach etwas Eingewöhnung – ok, aber auch nicht wirklich gut umgesetzt. Mit etwas Übung hat man das alles gut im Griff. Das Fliegen mit dem Helikopter und Flugzeug ist eher Arcade-lastig und das Bootfahren ist auch nicht viel besser. Es ist vom Gefühl her nicht so satt wie zum Beispiel in GTA 5. Aber dennoch ist das Fortbewegen mit den Fahrzeugen zweckmäßig und recht solide umgesetzt.

Die Soundkulisse ist passend und gelungen. Vögel zwitschern, Wind rauscht und Wasser plätschert. Die Motoren und Waffensounds sind gut. Die Sprache und Synchronisation ist auch ok. In Englisch hört sich das alles natürlich noch etwas knackiger an.

Die Dialoge der Ghost untereinander sind anfangs witzig, teils aber richtig flache Klischee-Orgien und irgendwann auch nervig, wenn sich die Witze wiederholen, die sich die Jung erzählen.

Extrem nervig finde ich die omnipräsenten Radios die überall platziert sind. Klar die Propaganda-Maschine vom Santa-Blanca-Kartell läuft da rauf und runter und es werden auch wilde Reden geschwungen. Aber etwas weniger wäre vielleicht besser? Und manchmal versteht man auch wichtige Missionsziele nicht, weil irgendeiner im Radio quatscht.

“Natürlich geht es bei Bedarf auch mit der Brechstange. Ich mag aber den Erkundungs- und Schleich-Aspekt und ertappe mich dabei, wie ich mehr und mehr zum Pro-Sniper werde.”

Grafik: Eigentlich sehr gut. Das Wetter, die Wolken, Tag und Nacht finde ich wirklich gut gelungen und manchmal auch richtig hübsch. Hier wäre es wieder fein, wie bereits erwähnt, eine Ego-Perspektive zu haben und einfach nur die Landschaft zu genießen um Screenshots ohne Spielfigur zu erstellen.

Lobenswert sind die Details wie wiegendes Gras, Blütenpollen und Blätter in der Luft im Windhauch. Die Flamingos am Salzsee. Lamas in den Bergen etc. Also eigentlich ist genügend Leben vorhanden um die Welt von Ghost Recon Wildlands glaubwürdig und abwechslungsreich zu gestalten.

Sehr gut gemacht ist meiner Meinung die Skybox mit Sternenhimmel, Wolken, Sonnenauf- und Untergängen sowie Regen und das Gewitter. Das sieht schon richtig cool aus, wenn man da oben auf auf einem Berg steht und in die Weite schaut.

Apropos Weite. Das Areal ist riesig und durchaus abwechslungsreich. Schnee, Dschungel, Klippen, Berge, Felsen, Agrarflächen und Dörfer wie Städte sind recht gut umgesetzt und laden zur Sightseeingtour ein.

Mir persönlich fehlen Reifenspuren im Schnee und auf der Straße die man hinterlässt. So was macht immer viel aus, wenn man in ein Spiel eintaucht.

Das Areal ist riesig und durchaus abwechslungsreich

Schnee, Dschungel, Klippen, Berge, Felsen, Agrarflächen und Dörfer wie Städte sind recht gut umgesetzt und laden zur Sightseeingtour ein.

Ghost Recon Wildlands macht Spaß, im Team mit Kumpels am meisten. Die Solo-Kampagne ist ok. Die Nebenkampagnen etwas repetitiv und langweilig. Oft scheitert es -wie erwähnt – an den strunzdoofen KI-Temamitgliedern. Meisten mache ich mittlerweile alles allein und nutze die Jungs nur zum Simultanschuss oder zur finalen Attacke, wenn gar nichts mehr geht.

Ärgerlich sind auch die noch vorhandenen Bugs und das manchmal unfaire und frustrierende Verhalten der Gegner.

So habe ich eine Mission nicht lösen können, weil der Gegenstand zwar auf der Karte angezeigt wird aber im Spiel nicht auffindbar, klickbar und nutzbar ist. Das frustriert! Gerade auch dann, wenn man gut eine halbe Stunde damit verbringt, seine Taktik zu gestalten, die Gegner auszukundschaften und auf die Gelegenheit wartet um zuzuschlagen.

Der 6, 7, 8 Nachschub an Verstärkung ist einfach nur nervig. Und wenn die Feinde vor dir stehen und dich nicht sehen, umso mehr.

“Fluch und Segen… oder die Hassliebe zu einem Spiel mit viel Licht und noch etwas Schatten.”

Ghost Recon Wildlands ist eine Hassliebe. Es ist auf der einen Seite grafisch recht schön, auf der anderen glänzt die KI-Dummheit und viele kleine nervige Bugs oder Ungereimtheiten. Die Story von Ghost Recon Wildlands reißt mich nicht wirklich vom Hocker, der Antoganist ist recht sympathisch und die Sprüche und Anekdoten des Protagonisten und der Team-Mitglieder sind sehr flach und manchmal auch einfach peinliches Klischee-Phrasendreschen.

Ghost Recon Wildlands wird seine Fangemeinde finden. Es ist wirklich nicht schlecht, manchmal auch wirklich schön und gut, aber dann wieder total konträr. Nicht das Highlight des Jahres, aber klar einen Blick wert. Und ich werde es auch zuende spielen. Denn es macht irgendwie doch Spaß!

 

Nachtrag

Es erschien vor wenigen Tagen ein Update, dass ich gestern installierte und kurz antestete.

Es bringt eine Menge Verbesserungen. Einige ärgerliche Logikpatzer und Missionsfehler wurden gefixt und wohl für viele, mich eingeschlossen, ein Segen. Man kann endlich die nervigen Radios ausschalten!

Sehr gut ist auch die Tatsache, dass man sich das HUD mit den Infos anpassen kann, die man favorisiert.

Ubisoft macht seine Hausaufgaben, hört auf die Spieler und mit 2 – 3 weiteren Updates dürfte Ghost Recon Wildlands bis auf weiteres sicher zu den Top-20 Open World Spielen gehören.

Gastautor

Marcus aka "Mac Josetty"

Mac spielt seit den frühen 1980er Computer- und Videospiele. Er ist Kreativer, Fotomacher, Abenteurer, Designer, Blogger, Genießer, Reisender. Zudem bloggt er auf burgturm.de über alles was man(n) mag.